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Hautsensibilisierung
Definition:
Hautsensibilisierung ist eine immunologisch vermittelte Hautreaktion auf
eine Substanz. Man bezeichnet diese Reaktion auch als allergische Kontaktdermatitis.
Beim Menschen kann die Reaktion gekennzeichnet sein durch Pruritus,
Erytheme, Ödeme, Papula, Vesiculae, Bullae oder eine Kombination
dieser Erscheinungen. Bei anderen Spezies können die Reaktionen anderer
Art sein und nur aus Erythemen und Ödemen bestehen.
Sensibilisierend gemäß der Stoffrichtlinie
RL67/548/EWG sind Stoffe
und Zubereitungen, die bei Hautresorption eine Überempfindlichkeitsreaktion
hervorrufen können, so dass bei künftiger Exposition gegenüber
dem Stoff oder der Zubereitung charakteristische Störungen auftreten.
Messverfahren:
Alternativer in-vivo-Test:
Der lokale Lymphknoten Test (local lymph node assay = LLNA) an Mäuseohren
ist eine anerkannte Methode zur Bewertung des Hautsensibilisierungspotenzials.
Die kontaktsensibilisierenden Eigenschaften werden weiterhin an Tieren
bewertet, allerdings kann deren Anzahl meist reduziert werden. Es kommt
hinzu, dass der LLNA eine substanzielle Verfeinerung der Prüfung
auf Hautsensibilisierung darstellt.
Die Prüfsubstanz wird an drei Tagen auf die
Rückseite der Mäuseohren appliziert. Nach einer bestimmten Expositionszeit
werden den Versuchstieren radioaktive Marker injiziert, danach werden
sie getötet und die Lymphknoten werden entfernt und die aufgenommene
Strahlung analysiert.
Aufgrund der gemessenen Strahlung, der Hautreaktionen
und der Toxizitäten wird das Hautsensibilisierungspotenzial abgeleitet.
Tierversuche:
Es wurden zwei Arten von Tests mit Meerschweinchen
entwickelt: die Adjuvans-Tests und die Tests ohne Adjuvans.
• Adjuvans-Test: (Bsp.: GPMT-Test)
Die Adjuvans-Tests haben bei der Bestimmung einer wahrscheinlichen Hautsensibilisierungswirkung
einer Substanz beim Menschen voraussichtlich eine größere Vorhersagewahrscheinlichkeit
als Methoden ohne das komplette Freundsche Adjuvans. Sie sind daher die
bevorzugten Tests.
Ein Adjuvans ist eine Substanz, die in der Prüfsubstanz aufgelöst
oder suspensiert und dann appliziert wird. Sie verstärkt die Antwort
des Immunsystems unspezifisch, d.h. potenziert einen allergischen Zustand.
Bei dem Maximierungstest am Meerschweinchen (GPMT)
handelt es sich um ein weitverbreitetes Adjuvans-Verfahren. Obwohl es
noch andere Verfahren gibt, mit deren Hilfe sich feststellen lässt,
ob eine Substanz eine Sensibilisierungsreaktion der Haut hervorzurufen
vermag, gilt der GPMT als der bevorzugte Adjuvans-Test.
Das Adjuvans wird mit der Prüfsubstanz zunächst
intradermal injiziert und die Reaktionen beobachtet. Ein positives Testergebnis
ist eine Reaktion von mindestens 30% der Versuchstiere.
• Test ohne Adjuvans: (Bsp.: Bühler-Test)
Bei zahlreichen chemischen Substanzklassen gelten die Tests ohne Adjuvans
(von denen der Bühler-Test der Bevorzugte ist) als weniger empfindlich.
In bestimmten Fällen kann es gute Gründe für die Wahl des
Bühler-Tests geben, bei dem im Gegensatz zum GPMT die äußerliche
Applikation Anwendung findet. Die Anwendung des Bühler-Tests sollte
wissenschaftlich begründet werden.
Die Prüfsubstanz wird äußerlich
auf die Haut appliziert und der Expositionszeitraum beträgt 24 Stunden.
Ein positives Testergebnis ist eine Reaktion von mindestens 15% der Versuchstiere.
Geeignete Prüfmethoden:
Die in-vivo-Messverfahren (GPMT und Bühler-Test) zur Bestimmung der
Hautsensibilisierung sind in der Prüfmethoden-Verordnung
(EG) Nr.440/2008, Teil B, Methode B.6 beschrieben.
Der in-vitro-Test zur Prüfung auf hautsensibilisierende Wirkung ist
in der Prüfmethoden-Verordnung (EG) Nr.440/2008, Teil B, Methode
B.42 beschrieben.
Angabe im Sicherheitsdatenblatt:
Hinweise auf Hautsensibilisierung werden im Kapitel „Toxikologische
Prüfungen“ unter Angabe der Prüfmethode und der Tierspezies
angegeben.
Einstufung und Kennzeichnung:
Stoffe und Zubereitungen werden nach der Stoffrichtlinie RL 67/548/EWG,
Anhang VI, Kapitel 3.2.7.2 als sensibilisierend eingestuft und mit dem
Gefahrensymbol »Xi«, der Gefahrenbezeichnung »reizend«
und dem R-Satz R 43 gemäß den folgenden
Kriterien gekennzeichnet:
• wenn praktische Erfahrungen zeigen, dass der Stoff oder die Zubereitung
bei einer erheblichen Anzahl von Personen eine Sensibilisierung durch
Hautkontakt hervorrufen können, oder
• wenn positive Ergebnisse aus einem geeigneten Tierversuch vorliegen.
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