Verätzungen durch
Zement
Der hohe pH-Wert ist zwar technologisch notwendig, birgt allerdings auch für den Verarbeiter die Gefahr von Verätzungen. So werden bei den Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft immer wieder schwere Verätzungen gemeldet:
| · | Nach dem Bruch der Schalung zog ein Arbeiter die Bewehrungseisen aus dem frischen Beton. Dabei verwendete er keine Handschuhe. Nach 20 Minuten waren sowohl die Hände als auch die Unterarme so stark verätzt, dass eine Hauttransplantation durchgeführt werden musste. |
| · | Während des Aufbringens von Estrich kniete ein Arbeiter im frischen Estrich. Am nächsten Tag stellte er eine starke Verätzung an beiden Knien fest. Auch hier war die Verätzung so schwer, dass Hauttransplantationen notwendig wurden. |
Beide Verletzte waren mehr als zwei Monate arbeitsunfähig und mussten noch lange Zeit an den betroffenen Stellen Bandagen tragen, um den Erfolg der Transplantationen sicherzustellen. Man kann davon ausgehen, dass es neben den schweren Verätzungen noch eine Vielzahl leichter Verätzungen gibt, die von den Betroffenen als völlig normale Verletzung hingenommen werden.
Kennzeichnung der
Zementsäcke
mit 'Xi'
Zement wird als ‘reizend’ gekennzeichnet und mit den Gefahrenhinweisen R 36/38 ‘Reizt die Augen und die Haut’ und R 41 ‘Gefahr ernster Augenschäden’ sowie den Sicherheitsratschlägen S 24 ‘Berührung mit der Haut vermeiden’, S 26 ‘Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren’ und S 37 ‘Geeignete Handschuhe tragen’ versehen. Mit dieser Kennzeichnung wird auf die den Beschäftigten der Bauwirtschaft bekannten Probleme hingewiesen.
Allergien
durch Chromate
Bei der Handhabung von Zement bestand bis vor kurzem für den Verwender noch eine weitere und wesentlich folgenschwerere Gefahr. Es handelte sich dabei um eine durch Zement verursachte Allergie. Die allgemein bekannte Maurerkrätze bezeichnet alle durch Zement verursachten Ekzeme, wobei nicht zwischen allergischen (durch das im Zement enthaltene Chrom(IV) verursacht) und irritativen (durch die Alkalität des Zementes sowie Zement- und Sandbestandteile verursachte Verletzungen) Erkrankungen unterschieden wird. Statistiken der skandinavischen Länder und der ehemaligen DDR kann entnommen werden, dass 90 % der durch Zement verursachten Ekzeme allergischer Natur waren.
Auslöser dieser Allergien waren die im Zement in Spuren enthaltenen wasserlöslichen Chrom(VI)-Verbindungen; diese werden auch als Chromat bezeichnet. Ermittlungen der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft Ende der 90er Jahre haben bei den in Deutschland erhältlichen Portlandzementen einen Chromatgehalt zwischen 3 und 35 ppm ergeben.
Durch den dauernden Kontakt mit Chrom(VI)-Ionen gelangen diese
durch die Haut in den Körper. Hier wird das Chrom(VI)- zum Chrom(III)-Ion
reduziert, dem sogenannten Hapten. Das Hapten bildet zusammen mit einem körpereigenen
Protein das für die Sensibilisierung verantwortliche Antigen. Die Sensibilisierung
ist abhängig von der Menge und der Dauer der Exposition, also von der
Konzentration der Chromat-Ionen im Zement und der Dauer des Umgangs mit Zement.
Abbildung: Zementverursachte Hauterkrankungen bei der Berufsgenossenschaft
der Bauwirtschaft
| Stand: 09/2005 | ||