22.4   Verarbeiten von Flüssigkunststoffen

Neben Bitumen- oder Kunststoffbahnen werden für Flachdachabdichtungen auch flüssige Beschichtungssysteme eingesetzt. Diese ‚Flüssigkunststoffe' sind zwar i.d.R. teuerer als Bitumen- oder Kunststoffbahnen, haben aber insbesondere auf Dächern mit vielen Anschlüssen und Durchdringungen den Vorteil einer leichteren und schnelleren Verarbeitung.

In der Regel werden die ein- oder mehrkomponentigen Flüssigkunststoffe auf die Dachfläche gegossen und mit einer Rolle verteilt; häufig wird eine Trägereinlage (z.B. Polyestervlies) eingelegt. Je nach eingesetztem Flüssigkunststoff-System (Polyurethanharz, Polyesterharz usw.) können unterschiedliche Gefahrstoffexpositionen auftreten.

Styrol                     

 


Für das Verarbeiten von ungesättigten Polyesterharzen auf Flachdächern und Balkonen liegen 25 Messungen auf Styrol vor; dabei reichen die ermittelten Messwerte etwa bis zum Doppelten des Grenzwertes. Neben in der Regel etwas höheren Expositionen auf Balkonen im Vergleich zu Flachdächern, die sich durch schlechtere Lüftungsverhältnisse erklären lassen, besteht insbesondere ein starker Temperatureinfluss. Grenzwertüberschreitungen sind nur bei Außenlufttemperaturen von über 22°C gefunden worden.

Zur Beurteilung, ob bei diesen Arbeiten von einer Grenzwerteinhaltung oder -überschreitung auszugehen ist, ist neben der Expositionshöhe auch die Expositionsdauer zu berücksichtigen. Abgesehen von sehr großen Dachflächen betragen die Expositionszeiten selten mehr als 4 Stunden pro Schicht. Somit kann - abgesehen von hochsommerlichen Außentemperaturen - in der Regel von einer Grenzwerteinhaltung für das Verarbeiten von Polyesterharz-Systemen im Flachdachbereich ausgegangen werden. Aufgrund des Arbeitsverfahrens und der vorliegenden relativ kurzen Probenahmedauern kann angenommen werden, dass der Kurzzeitwert für Styrol eingehalten wird.

Lösemittel             

 


Für das Verarbeiten von lösemittelhaltigen Flüssigkunststoffen überwiegend auf Polyurethanharz-Basis liegen 12 Messungen vor. Dabei handelt es sich vor allem um Versiegelungen auf Balkonen und um Abdichtungen an Lichtkuppeln. Die ermittelten Konzentrationen an 1-Methoxypropylacetat sowie verschiedenen Kohlenwasserstoffen lieferten maximale Bewertungsindizes von 0,7. Unter Berücksichtigung der kurzen Expositionsdauern bei den Messungen scheint eine Grenzwertüberschreitung bei diesen Tätigkeiten nicht aufzutreten - allerdings ist die Zahl der Messungen noch zu gering, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können.

Stand: 05/2001
 

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