Dispersionskleber
Zusätzlich zu der Hautgefährdung können für Fliesenleger auch Belastungen durch Gefahrstoffe in der Luft am Arbeitsplatz bestehen. Dieses ist zum einen bei der Verwendung lösemittelhaltiger Produkte wie Vorstriche und Grundierungen der Fall; zum anderen auch bei der Verarbeitung von dauerelastischen Dichtungsmassen. Die Dichtungsmassen sind zwar nicht gekennzeichnet, bei ihrer Verarbeitung werden jedoch Gefahrstoffe freigesetzt. So müssen für den Umgang mit diesen nicht gekennzeichneten Produkten z.B. auch Betriebsanweisungen erstellt werden.
Zur Abdichtung von Anschluss- und Dehnungsfugen werden - je nach Art der Fuge, Ausmaß der Belastung, Forderung nach Überstreichbarkeit usw. - verschiedene Dichtungsmassen eingesetzt. Neben den weit verbreiteten Silicon- und Acrylatdichtungsmassen finden auch Produkte auf Basis von Polyurethanen oder Polysulfiden Verwendung, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden soll.
Atemluft-
belastungen durch
Gefahrstoffe
Bei den Silikondichtungsmassen kann nach mehreren Vernetzungssystemen unterschieden werden. Die sauer vernetzenden Silikondichtungsmassen setzen beim Aushärten durch Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit Essigsäure frei, einige neutral vernetzende 2-Butanonoxim, andere Methanol oder 2-Methoxyethanol (Methylglykol). Bei den alkalisch härtenden Silikondichtungsmassen werden Amine wie Butylamine oder Cyclohexylamin freigesetzt. Die vollständige Aushärtung dieser Dichtungsmassen dauert meist einige Tage; während dieser Zeit werden die oben genannten Gefahrstoffe in die Luft abgegeben. Dabei liegt die insgesamt freigesetzte Menge dieser Stoffe etwa in der Größenordnung von 5%, bezogen auf die Menge der eingesetzten Dichtungsmasse. All diese Stoffe können, natürlich in Abhängigkeit von der Konzentration, Reizungen verursachen.
Tabelle 48: Grenzwerte, Einstufungen und physikalische Daten (Siedepunkt Sdp und Dampfdruck bei 20°C P20 ) für einige Stoffe, die beim Verarbeiten von Silikondichtstoffen freigesetzt werden können.
Silikon-dichtstoffe |
Gefahrstoff Einstufung |
Grenzwert mg/m3 |
Grenzwert ppm |
TRGS 900, Bem. |
TRGS 905 |
Sdp °C |
P20 mbar |
||||
|
|
25 |
10 |
118,1 |
15,7 |
||||||
|
|
152 |
1,41 |
||||||||
|
|
260 |
200 |
H |
64,5 |
128,6 |
|||||
|
15 |
5 |
H |
RE 2 RF 2 |
124,6 |
8,1
|
|||||
|
|
15 |
5 |
H |
77,8 |
100 |
|||||
|
15 |
5 |
H |
63,0 |
180 |
||||||
|
40 |
10 |
H |
134,5 |
14,26 |
In Simulationsmessungen wurde unter ungünstigen Bedingungen (kleiner Raum ohne Lüftung) beim Verarbeiten von Silikondichtstoff die Konzentration an Essigsäure in der Luft bestimmt. Dabei zeigte sich überraschenderweise, dass während des Verarbeitens der Luftgrenzwert für Essigsäure deutlich überschritten war und nach einer Stunde sogar der fünffache Grenzwert erreicht wurde. Dementsprechend ist bei der Verarbeitung von Silikondichtungsmassen stets auf eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes Wert zu legen; dieses kann z.B. in Gäste-WCs dann zu Schwierigkeiten führen, wenn keine Fenster oder Ventilatoren vorhanden sind.
Gesundheits-
gefahren
Während von Essigsäure 'nur' reizende Wirkungen ausgehen, sind die Gefährdungen bei den anderen Vernetzungssystemen durch die dabei freiwerdenden Chemikalien schwieriger zu beurteilen. Die Amine, Methanol und 2-Methoxyethanol z.B. sind hautresorptiv und haben niedrige Grenzwert (vergleiche Tabelle 48). Über die Wirkung von 2-Butanonoxim auf den Menschen ist noch sehr wenig bekannt. Die DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe hat in ihrer MAK- und BAT-Werte-Liste 1997 2-Butanonoxim als krebserzeugend im Tierversuch eingestuft (Kategorie 2). Diese Einstufung ist zur Zeit allerdings noch nicht in die TRGS 905 übernommen worden.
Gravierende Gesundheitsgefahren gehen von 2-Methoxyethanol aus. Dieser Stoff ist reproduktionstoxisch, d.h. er kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen. Diese Wirkungen können auch bei Einhaltung der Luftgrenzwerte auftreten und insbesondere bei Hautkontakt, da der Stoff auch durch die Haut in den Körper aufgenommen werden kann. So dürfen Jugendliche und werdende oder stillende Mütter Produkten, die 2-Methoxyethanol freisetzen, nicht ausgesetzt sein.
Da die Dampfdrucke von Methanol, 1-Aminobutan und sec.-Butylamin etwa um den Faktor 10 größer sind als der Dampfdruck von Essigsäure, ist auch bei diesen Stoffen nach der Verarbeitung der Dichtungsmassen in schlecht gelüfteten Räumen mit hohen Gefahrstoff-Konzentrationen in der Luft zu rechnen. Dieses scheint bei 2-Butanonoxim weniger der Fall zu sein, da der Dampfdruck nur ein Zehntel des Wertes von Essigsäure beträgt. Allerdings muss beim Umgang mit 2-Butanonoxim beachtet werden, dass dieser Stoff bei Hautkontakt Allergien hervorrufen kann.
Hautkontakt
Gemäß der TRGS 150 ist bei direktem Hautkontakt mit hautresorptiven Stoffen in fester oder flüssiger Form von einer Überschreitung der Auslöseschwelle auszugehen. Beim Vernetzen der Silikondichtungsmassen werden zwar in einigen Fällen hautresorptive Stoffe freigesetzt, jedoch im gasförmigen Zustand. Es ist also nicht generell von einer Überschreitung der Auslöseschwelle auszugehen, aber trotzdem können Gefährdungen für die Gesundheit nicht in allen Fällen ausgeschlossen werden. Bei solchen Stoffen sollte im Sinne des präventiven Arbeitsschutzes grundsätzlich die Exposition auf ein Minimum beschränkt werden.
Um die Haftung der Dichtungsmassen auf den Oberflächen zu verbessern, werden zum Teil lösemittelhaltige Vorstriche eingesetzt. Dieses ist bei Fliesenlegerarbeiten eher selten der Fall, kann aber bei Anwendungen von Dichtungsmassen in anderen Bereichen (z.B. Glaserarbeiten oder Hochbau) notwendig sein. Aus dem Bereich der Bodenleger ist bekannt, dass bei Verwendung stark lösemittelhaltiger Produkte häufig mit Grenzwertüberschreitungen und den damit verbundenen Gesundheitsgefahren gerechnet werden muss. Da jedoch bei Fugenabdichtungen die bearbeitete Oberfläche bedeutend kleiner ist als beim Kleben von Bodenbelägen, sind die Gefährdungen hier sicherlich deutlich geringer. Trotzdem ist auch beim Verarbeiten von z.B. lösemittelhaltigen Silikonvorstrichen Achtsamkeit geboten. So sollten möglichst aromatenfreie oder -arme Produkte ohne Niedrigsieder wie Aceton verwendet werden.
| Stand: 05/2001 | ||