15.9   Kaltverarbeitbare Bitumenprodukte

Neben der Heißverarbeitung von Bitumen gibt es auch eine Reihe von bitumenhaltigen Produkten, die kalt verarbeitet werden können. Abgesehen von verschiedenen Anwendungen im Straßenbau finden kaltverarbeitbare Bitumenprodukte insbesondere auch Verwendung bei der Abdichtung von Bauwerken.

Es handelt sich hierbei üblicherweise um wässrige Bitumenemulsionen, teilweise mit hydraulischer Pulverkomponente, oder um Lösungen von Bitumen in (Kohlenwasserstoff-)Lösemitteln. Diese können sowohl durch Spachteln, Streichen, Rollen oder Spritzen im Freien wie in Räumen angewendet werden. In Deutschland wurden 1997 ca. 100.000 m3 kaltverarbeitbare Bitumenprodukte für die Bauwerksabdichtung verwendet, dabei betrug der Anteil an lösemittelfreien Bitumenemulsionen etwa 85%.

Ein Beispiel für die Anwendung kaltverarbeitbarer Bitumenprodukte ist die Abdichtung von Kelleraußenwänden mit Bitumendickbeschichtungen, die vor allem im Wohnungsbau häufig erfolgt. Oftmals werden Bitumenvoranstriche zur Haftverbesserung vor dem Aufbringen von Bitumenbahnen aufgetragen; Bitumenkaltkleber werden zum Verkleben von Dachbahnen, Dämmstoffplatten usw. eingesetzt.

Der Grenzwert für Dämpfe und Aerosole aus Bitumen spielt bei der Kaltverarbeitung von bitumenhaltigen Produkten keine Rolle, aber bei lösemittelhaltigen Produkten ist die Lösemittelexposition zu beachten. Der überwiegende Teil der lösemittelhaltigen Bitumenprodukte im Baubereich enthält als Lösemittel Kohlenwasserstoffgemische (Testbenzin, Solvent Naphtha usw.).

GISCODE                 

 


Für die kaltverarbeitbaren Produkte für die Bauwerksabdichtung wurde ein GISCODE erarbeitet (siehe Tabelle 40), in dem die Produkte in erster Linie nach Lösemittelgehalt und Aromatengehalt klassifiziert sind. Die Klassifizierung nach aromatenarmen und aromatenreichen Kohlenwasserstoffgemischen erfolgt entsprechend der TRGS 900 / 901. Die Grenze zwischen lösemittelhaltig und lösemittelreich wird in Anlehnung an eine Unterscheidung nach AIB (Abdichtungen in Ingenieurbauwerken) auf 25% gesetzt.

Bitumenemulsionen
   als Ersatzstoffe   

 


Aus arbeitshygienischer Sicht sind die Bitumenemulsionen als Ersatzstoffe gegenüber den Bitumenlösungen zu bevorzugen, da bei ihrer Verarbeitung (abgesehen von Spritzverfahren und Hautkontakt) kaum Gefahrstoffexpositionen auftreten.

Für die Verarbeitung von lösemittelhaltigen Bitumenprodukten liegt aus dem Bereich der Dachdecker eine Reihe von Arbeitsplatzmessungen vor. Bei den dort üblichen kurzen Expositionsdauern und guten Lüftungsverhältnissen kann von einer Einhaltung der Grenzwerte ausgegangen werden.

Für das Verarbeiten von lösemittelhaltigen Bitumenprodukten in Räumen sowie bei Simulationsmessungen in Räumen sind Expositionen auch oberhalb des Grenzwertes ermittelt worden. Eine Übertragung der Ergebnisse aus dem Flachdachbereich auf Baugruben, Schächte usw. darf deshalb nur mit Vorsicht erfolgen. An BG/BIA-Empfehlungen für diese Arbeitsbereiche wird zur Zeit gearbeitet.

Basierend auf den Ergebnissen von Handschuhtestungen an Bitumenemulsionen und Bitumenlösungen werden für den Umgang mit diesen Produkten Handschuhe aus Nitrilkautschuk empfohlen.

Tabelle 40: GISCODE für kaltverarbeitbare Bitumenprodukte in der Bauwerksabdichtung.

  BBP10
  Bitumenemulsionen
  BBP20
  Bitumenmassen, aromatenarm, lösemittelhaltig
  BBP30
  Bitumenmassen, aromatenarm, lösemittelreich
  BBP40
  Bitumenmassen, aromatenarm, gesundheitsschädlich, lösemittelhaltig
  BBP50
  Bitumenmassen, aromatenarm, gesundheitsschädlich, lösemittelreich
  BBP60
  Bitumenmassen, aromatenreich, gesundheitsschädlich, lösemittelhaltig
  BBP70
  Bitumenmassen, aromatenreich, gesundheitsschädlich, lösemittelreich

Stand: 05/2001
 

weiter

Inhaltsverzeichnis
Home