15.6   Gussasphalt

Gussasphalt ist eine dichte, in heißem Zustand gieß- und streichfähige Masse aus Splitt, Sand, Füller und Bitumen, die maschinell oder von Hand verarbeitet wird. Aufgrund der hohlraumarmen Zusammensetzung des Mineralstoffgemisches bedarf Gussasphalt im Gegensatz zu Walzasphalt keinerlei Verdichtung, um seine Endfestigkeit zu erreichen. Er wird als Estrich, Schutz- oder Deckschicht z.B. im Hoch-, Industrie-, Brücken- oder Straßenbau eingesetzt und hat u.a. den Vorteil, bereits wenige Stunden nach dem Einbau benutzt werden zu können.

Gussasphalt wird in der Regel mit Temperaturen von 230-250°C1 verarbeitet. Die Anlieferung vom Asphaltmischwerk erfolgt durch LKW mit beheizbaren Rührwerkskesseln (Kocher), der Zwischentransport vom Rührwerkskessel zur Einbaustelle erfolgt mit Dumper, Eimer oder Schubkarre. In den beiden letzten Fällen werden Trennmittel (üblicherweise Mineralöle/-emulsionen, Seifenlösungen oder Pflanzenöle) eingesetzt, um ein Anhaften des Gussasphalts am Eimer bzw. an der Karre zu verhindern. Der Einbau von Gussasphalt von Hand geschieht mit dem Streichbrett. Die Oberfläche wird üblicherweise in noch warmem Zustand mit Quarzsand abgerieben oder mit Feinsplitt abgestreut.

Aufgrund der komplexen Querbeeinflussungen von Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen, Trennmitteln, Dieselmotoremissionen und Feinstaub bei den Arbeitsplatzmessungen ist es schwierig, eine Gesamtbeurteilung der Gefahrstoffexposition bei diesen Arbeiten durchzuführen.

hohe Expositionen
   in Räumen         

 


Hunderte beim Verarbeiten von Gussasphalt vorgenommene Messungen belegen, dass hier die Expositionen - sowohl bei manuellen Verarbeiten in Räumen als auch beim maschinellen Verarbeiten im Freien - deutlich höher sind als in den anderen Bereichen der Bitumenverarbeitung. Aus diesem Grunde wurde auch die Verarbeitung von Gussasphalt vorerst aus dem Anwendungsbereich des Luftgrenzwertes für Bitumen herausgenommen. Während der Zeit der Aussetzung des Luftgrenzwertes ist für die Gussasphaltarbeiter eine arbeitsmedizinische Betreuung vorgesehen. Darüber hinaus ist über weitere Verbesserungen bei der Verarbeitung von Gussasphalt nachgedacht worden.

Vielversprechend stellt sich der Einsatz von modifizierten Bindemitteln für Gussasphalt dar, mit denen die Einbautemperatur deutlich vermindert werden kann. Erste Messungen zeigen eine nahezu halbierte Exposition - allerdings ist die technische Vergleichbarkeit dieser modifizierten Produkte noch zu überprüfen.

Stand: 05/2001
1Anmerkung: Seit 2008 ist die maximale Verarbeitungstemperatur 230°C.
 

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