15   Bitumen und Bitumenprodukte

15.1   Charakterisierung und Eigenschaften von Bitumen

Bitumen fällt als Rückstand der Erdöldestillation an. Es handelt sich um schwer flüchtige, dunkelfarbige, halbfeste bis springharte Gemische ohne definierbaren Schmelzpunkt. Zur Beschreibung der mechanischen Eigenschaften werden der Erweichungspunkt und die Penetration (Eindringungsvermögen) herangezogen.

Kohlenwasserstoffe
   unterschiedlicher
   Zusammensetzung  

 



Bitumen besteht überwiegend aus höheren Kohlenwasserstoffen und lässt sich beschreiben als eine Dispersion von hochmolekularen 'Asphaltenen' in öligen 'Maltenen'. Außer Kohlenwasserstoffen kommen in Bitumen zahlreiche organische Sauerstoff-, Schwefel- und Stickstoff-Verbindungen vor. Der Schwefelgehalt von Bitumen kann bis zu 8 % betragen, Sauerstoff kann zu ca. 1-2 % und Stickstoff zu ca. 0,5 % enthalten sein. In Spuren sind Metalle wie Eisen, Vanadium, Nickel und Aluminium in Bitumen enthalten. Die genaue Zusammensetzung hängt von der Herkunft des Ausgangsrohöles und vom Herstellungsverfahren ab.

Analysen der heute marktüblichen Bitumen ergaben zwischen 5 und 76 mg/kg polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), davon ca. 0,4 bis 4 mg/kg Benzo[a]pyren (B[a]P). Dieses ist um ein bis zwei Zehnerpotenzen weniger als die stoffspezifische Grenze von 50 mg/kg B[a]P für krebserzeugende Gefahrstoffe nach § 35 (3) der Gefahrstoffverordnung.

Obwohl Bitumen unter Luft- und Wassereinfluss langsam geringfügig altert, ist es gegen die meisten aggressiven Wässer, gegen Alkalien, viele Säuren und Salze beständig. Allerdings wird es von unpolaren organischen Lösemitteln, Benzin, Diesel usw. angegriffen. Die hohe Wasser- und Luftbeständigkeit macht Bitumen zu einem hervorragenden Abdichtungsmaterial, das insbesondere im Bereich der Bauwirtschaft zu vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten führt.

Bitumen ist
   kein Teer                

 


Von Bitumen abzugrenzen sind teerhaltige (oder pechhaltige) Produkte insbesondere auf Basis von Steinkohlenteer (-pech). Teer, Pech oder Teeröle fallen bei der pyrolytischen Zersetzung von Kohle an und haben sehr hohe Gehalte an PAK, deren krebserzeugende Wirkung seit langem bekannt ist. Diese Produkte hatten ein ähnliches Erscheinungsbild und oft einen vergleichbaren Anwendungsbereich wie die Bitumenprodukte und bis in die siebziger Jahre wurde auch Bitumen mit teer- oder pechhaltigen Produkten vermischt (verschnitten). Dieses führt häufig zu Unklarheiten bei der Diskussion über Gefährdungen durch Bitumen.

Heutzutage wird Bitumen nicht mehr mit Teer verschnitten - allerdings kann insbesondere bei der Straßensanierung durchaus noch ein Umgang mit teerhaltigen Materialien vorkommen, der jedoch in verschiedenen Regelwerken (u.a. TRGS 551 'Pyrolyseprodukte aus organischem Material') reguliert ist.

Tabelle 38: Nach Herstellungsverfahren zu unterscheidende Bitumensorten mit ihren wichtigsten Einsatzbereichen

Destillationsbitumen
Bei der Destillation von Erdölen (meist unter Vakuum) verbleibende weiche bis mittelharte Erzeugnisse; Verwendung v.a. als Bindemittel im Straßenbau
Hochvakuumbitumen
Unter erhöhtem Vakuum erzeugtes hartes bis sprödes Bitumen; Verwendung v.a. als Bindemittel fur Gussasphalt sowie für Anstrich- und Isoliermaterial
Oxydationsbitumen
Durch Einblasen von Luft in heißflüssiges Destillationsbitumen erzeugtes Produkt mit höherem Erweichungspunkt. Verwendung v.a. für Bitumenbahnen, Klebemassen usw.
Hartbitumen
Oxydationsbitumen mit der Konsistenz von Hochvakuumbitumen; Verwendung v.a. als Bindemittel für Gussasphalt sowie für Anstrich- und Isoliermaterial
Polymermodifiziertes
Bitumen
mittels Elastomere oder Plastomere modifiziertes Bitumen; Verwendung z.B. fur hochbelastete Verkehrsflächen oder für Bitumenbahnen

Stand: 05/2001
 

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