2.1.3   Gefährdungen durch Hautkontakt

Hauterkrankung-
   en nehmen
   drastisch zu             

 



Während die Gefahren durch Einatmen mit Hilfe von Messungen der Gefahrstoffkonzentration in der Luft relativ gut beurteilbar sind und das Verschlucken nur in Folge von Unachtsamkeit auftritt, ist der Hautkontakt bisher in der Prävention weitgehend unberücksichtigt geblieben. Dies belegen die Berufskrankheitenzahlen; hier stellen Hauterkrankungen die größten Probleme dar.

Ursachen für diese mangelnde Beachtung der Gefährdungen durch Hautkontakt mit Chemikalien sind zum einen Unsicherheiten bei den für den Arbeitsschutz Verantwortlichen innerhalb und außerhalb des Betriebes und zum anderen die Unwissenheit und/oder Unterschätzung bei den Beschäftigten. Daher fordert die 2005 neu gefasste Gefahrstoffverordnung nun auch, die dermalen Gefährdungen zu ermitteln und getrennt von den inhalativen und physikalisch-chemischen Gefährdungen zu beurteilen.

Die bisherige mangelhafte Berücksichtigung der dermalen Gefährdung rührt vor allem daher, dass keine Grenzwerte für die Hautbelastung existieren, so dass das gesundheitliche Risiko nicht durch das Einhalten oder Überschreiten von bestimmten Werten beurteilt werden kann. Die Einschätzung dieses Risikos erfordert chemischen und oft auch medizinischen Sachverstand, der meist nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Die Unwissenheit und Unterschätzung hat ihre Ursache u.a. darin, dass viele der Bau-Chemikalien auch zu Hause verwendet werden (und somit als ungefährlich betrachtet werden).

Die Probleme mit hautresorptiven und sensibilisierenden Stoffen wurden im Kapitel „Gefajrstoffe – Was ist das“ bereits beschrieben. Neben diesen in der TRGS 900 ‘„Arbeitsplatzgrenzwerte“ besonders markierten Stoffen schädigen auch andere Stoffe die Haut. Dies gilt insbesondere für fast alle Lösemittel. Durch ihre fettlösenden Eigenschaften wird der Schutzmantel der Haut zerstört und bei häufigem Kontakt können Hauterkrankungen entstehen. Zudem wird dadurch anderen Stoffen das Eindringen in die Haut erleichtert.

Schutz der Haut
   ist unentbehrlich     

 



Grundsätzlich muss die Haut, vor allem die Hand, vor dem Kontakt mit Chemikalien geschützt werden. Dies kann am besten durch Chemikalienschutzhandschuhe geschehen. In vielen Fällen ist jedoch die Verwendung von Handschuhen nicht nur unbequem, sondern auch nicht ganz unproblematisch. Dies weniger, weil die auszuführende Tätigkeit oft eine gewisse Fingerfertigkeit erfordert. Problematisch sind Arbeiten mit Handschuhen deshalb, weil das mehrstündige oder gar ganztägige Tragen ohne entsprechende Maßnahmen die Haut aufweicht und damit anfälliger macht. Daher sollte beim Tragen von Handschuhen immer entsprechender Hautschutz verwendet oder ein Baumwollunterziehhandschuh getragen werden. Ist das Tragen von Handschuhen nicht möglich oder nicht sinnvoll, ist auf jeden Fall vorbeugender Hautschutz zu verwenden.4

Hautkontakt zu Chemikalien kann aber nicht nur über die Hände bestehen. Wird mit lösemittelhaltigen oder anderen flüssigen Substanzen die Kleidung verunreinigt, kann ebenfalls Hautkontakt bestehen. Daher sollte bei stärkeren Verschmutzungen die verunreinigte Kleidung sofort gewechselt werden.

Nicht mehr vorkommen sollte es, dass Hände oder andere verschmutzte Körperteile mit Verdünner gereinigt werden. Hier wird zum einen durch längerfristigen Lösemittelkontakt die Haut schwer geschädigt. Darüber hinaus kann es zu Vergiftungen kommen, da viele Lösemittel durch die Haut in den Körper eindringen und dort Organschäden verursachen können.


4 zum Problem, dass es für bestimmte Stoffe kein geeignetes Handschuhmaterial gibt, siehe Kapitel 6.4.3

Stand: 03/2006
 

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