1   Gefahrstoffe - Was ist das?

Chemikalien kommen in unserem Alltag immer häufiger vor und wir gehen selbstverständlich mit ihnen um. So beispielsweise der Heimwerker Herr Müller.

Heimwerker verlegt
   Teppichboden

 


Um den Kellerzugang zu verschönern, will Herr Müller die Treppe mit Teppichboden belegen. Er beginnt mit der Verlegung auf der obersten Stufe und arbeitet sich in den nächsten zwei Stunden Stufe für Stufe nach unten vor. Vor der verschlossenen Kellertür angekommen, zündet sich Herr Müller nach getaner Arbeit eine Zigarette an. Und hat Glück im Unglück! Bei der Explosion und dem anschließenden Brand erleidet er "nur" schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Am Haus entsteht Sachschaden von mehreren 10.000 EUR. Was ist passiert? Die Lösemitteldämpfe aus dem Klebstoff sind, da sie schwerer als Luft sind, auf den Boden der Treppe abgesunken. Dort hat sich im Laufe der Zeit eine solch hohe Konzentration der entzündlichen Dämpfe angesammelt, dass diese durch die offene Flamme zur Explosion gebracht werden konnten. Wäre das einem Profi auch passiert?

Maler beizen ab      

 


Profis passiert leider das Folgende: Die Malergesellen Meier und Maier haben den Auftrag, eine Wohn-zimmerdecke abzubeizen. Hierzu verwenden sie einen dichlormethanhaltigen Abbeizer. Was dann im einzelnen geschieht, kann nachher nicht mehr eindeutig festgestellt werden, denn eine Stunde später werden die beiden Maler bewusstlos bzw. bereits tot in dem Raum aufgefunden. Was ist passiert? Die beiden Malergesellen haben zwar Atemschutzgeräte getragen, doch bieten in diesem Fall die Filter keinen Schutz. Sie haben die betäubenden Dichlormethandämpfe genauso eingeatmet als würden sie keinen Atemschutz tragen. Der technische Arbeitsschutz in Form von Zwangsbelüftung ist vernachlässigt worden, die Information über die persönliche Schutzausrüstung ist fehlerhaft: Die beiden Malergesellen mussten diese Fehler mit ihrem Leben bezahlen.

Installateur
   schäumt aus           

 


Ein weiterer Unfall aufgrund bodenlosen Leichtsinns erleidet ein Fliesenleger. Er verkleidet in einem Neubau eine Badewanne. Dabei wird die Wanne auch mit PU-Schaum isoliert. Da im Badezimmer noch kein Licht ist, sieht er nicht, ob alle Hohlräume ausgeschäumt sind. Um sich einen Überblick zu verschaffen, benutzt er sein Feuerzeug ... Die Explosion hat er schwer verletzt überlebt!

Der Umgang mit Gefahrstoffen muss nicht - wie in diesen Beispielen - sofort und so drastisch zu einem Unfall führen. Viel häufiger stellen sich folgende Probleme:

Hautekzeme durch
   Reinigungsmittel     

 


  • Die Gebäudereinigerin Frau Krause hat nach jahrelangem Umgang mit Reinigungsmitteln Ekzeme an beiden Händen und Unterarmen. Dieser Hautausschlag lässt zwar nach, wenn sie längere Zeit krankgeschrieben oder in Urlaub gewesen ist. Sobald sie wieder arbeitet, treten die Probleme jedoch wieder auf. Frau Krause hat eine berufsbedingte Hauterkrankung, die sie wahrscheinlich zur Aufgabe ihrer Tätigkeit zwingt.

  • Bauunternehmer Müller muss auf eine Baustelle je eine Sauerstoff- und eine Wasserstoffflasche, 100 kg lösemittelhaltige Bitumenlösung, 100 l Schalöl sowie 4 Mitarbeiter transportieren. Ist dies in einem Fahrzeug erlaubt?

  • Der Architekt Schmidt erhält den Auftrag, einen Kindergarten ohne Gefahrstoffe zu planen. Kann das verlangte Buchenparkett dann überhaupt verlegt werden?

Die Beispiele deuten an, wie vielfältig der Einsatz von Chemikalien in der Bauwirtschaft heute bereits ist. Dabei deckt die Auswahl der Beispiele längst nicht die Bandbreite der Chemieprodukte ab. Zudem sind die Möglichkeiten des Einsatzes moderner Baustoffe noch lange nicht erschöpft. Hier wird noch mancher Bereich der Bauwirtschaft einer erheblichen Chemiesierung "unterworfen" werden.

Die Bedeutung des Themas Gefahrstoffe in der Bauwirtschaft ist mit diesen wenigen Beispielen sicherlich belegt.

Stand: 03/2006
 

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